WERKSCHAU.DESIGN

Formflut Design über Design aus Magdeburg

WER SEID IHR? WAS MACHT IHR? WIE LANGE GIBT ES EUCH SCHON?

KAI // Wir sind die Formflut Design Agentur in Magdeburg. Unsere Agentur befindet sich jetzt im dritten Jahr. Wir haben beide Kunst und Design studiert, David Industriedesign in Magdeburg und ich Kunst und Gestaltung in Berlin. Wir haben uns in einer Agentur hier in Magdeburg kennen gelernt und haben dort eineinhalb Jahre zusammengearbeitet, bis wir uns dazu entschieden haben eine eigene Agentur zu gründen, weil wir unseren eigenen Stil verwirklichen wollten – und seitdem machen wir das  eben. Auch ziemlich erfolgreich muss man sagen. Mal sehen was die Zukunft uns hier bringt.

DAVID // Ein wichtiger Punkt für uns war, dass wir von Anfang an einen großen Partner hatten, der uns sozusagen auf den Weg in die  Selbstständigkeit unterstützt hat und immer noch unterstützt. Wir wussten seit Beginn, dass da jemand ist, der uns Aufträge besorgt, somit standen wir nicht mit leeren Händen da. Uns wurde ein guter Einstieg in die Branche ermöglicht. Das war für uns ein sehr wichtiger Aspekt, ansonsten hätten wir uns wahrscheinlich dagegen entschieden.

WIE SEHT IHR DESIGN IN MAGDEBURG? WIE SEHT IHR EUCH IN MAGDEBURG?

DAVID // Es kommt darauf an, von welchem Bereich im Design man spricht – Industriedesign ist meiner Meinung nach ein schwieriger Standort für Magdeburg. Ich habe festgestellt, dass die meisten Leute, die hier Industriedesign studieren entweder fortgehen oder ins Grafikdesign einsteigen, weil sie merken, dass Magdeburg viel zu visualisieren hat. Allmählich findet hier langsam ein Umbruch statt – es  hat lange gedauert – es geht langsam los, jetzt werden die Leute wach,  sie akzeptieren, dass wir nicht mit den Standards werben, sondern auch mal mit frechen Sprüchen oder mit auffälligen und minimalistischen Dingen. Die Menschen schauen mittlerweile über den Tellerrand und werden auch mutiger. Wenn es um kulturelle Angelegenheiten geht, darf man eh ein bisschen mehr experimentieren, aber wenn es ein großer Hersteller ist, der eine gewisse Klarheit zeigen muss und nur vereinzelt mal etwas Verrücktes für eine Anzeige machen kann, wird es schwieriger. Wir haben es geschafft das Stadtbild ein wenig zu verändern, wenn man sich z.B. ein „Citylight“ der „langen Nacht der Wissenschaft“ anschaut, sieht man, dass auch mal „Farbflecken“ ins Spiel gebracht wurden und nicht immer nur das typische „Scholz & Friends“, was schon seit etlichen Jahren mit „Otto macht…“ und den selben Braun- und Orangetönen für die Stadt wirbt.

KAI // Da ich in Berlin studiert und gelebt habe, habe ich einen anderen Bezug zum Design – Berlin z.B. hat seinen eigenen Stil, den viele beneiden, was ich aber persönlich nicht mehr tue weil es sehr kopierbar und Mainstream ist. Viele andere Städte kopieren das. In Magdeburg ist es eben so, dass es nicht viele gute Designer gibt, wenn es um das Grafikdesign geht. Es ist eigentlich eine Chance sich hier selbstständig zu machen oder sein eigenes Ding zu drehen. Man braucht bloß einen Bezugspartner.

DAVID // Magdeburg wirkt auf mich sehr „wissenschaftlich“ – die Stadt  ist sehr „unilastig“ und „technisch“. Das ist geschichtlich so gewachsen, dadurch haben sie den Schritt, anfang der 90er Jahre „wildes  Zeug“ zu machen etwas verpasst. Es gibt hier Einrichtungen wie die  Kunstgewerbeschule, die es früher ja auch schon gab, an denen auch Design/ Gestaltung wichtig war und ist, das sehen viele nicht.

WIE SEHT IHR DIE ZUKUNFT DES DESIGNS IN MAGDEBURG (Z.B. IN BEZUG AUF DIE KULTURHAUPTSTADT 2025)?

KAI // Eigentlich sehr positiv. Dadurch dass wir immer wieder den Finger in die Wunde legen und immer wieder versuchen etwas neues zu machen. Dass wir als Designer eben auch versuchen da mal ein bisschen zu sticheln. Wir wollen nicht unseren Kopf durchsetzen, wir wollen nur eine andere Richtung vorgeben. Die Personen, die hoch aufgestellt waren,  gehen langsam in den Ruhestand und wir hoffen einen neuen Schwung zu kriegen. Ich glaube schon, dass es einen positiven Ausblick für Magdeburg und Umgebung gibt.

DAVID // Auch dadurch dass die Einwohnerzahl stetig steigt, kommen neue Leute mit neuen Ideen, die etwas aus ihrer Sicht gestalten und das macht das ganze einfach nur reich. Viele Leute machen viel Buntes. Die, die es am Ende absegnen müssen, sollten auch sagen „Hey, wir trauen uns  das mal!“.

KAI // Eine neue Statistik zeigt, dass viele gebürtige Magdeburger zurückkommen, so wie ich eigentlich auch. Sie haben woanders studiert und sind trotzdem so heimatverbunden, dass sie zurückkommen und von Berlin und anderen Orten auf der Welt einfach überdrüssig sind. Diese Rückwanderung finde ich sehr positiv – ich habe auch zwei, drei Freunde,  die jetzt wieder nach ca. fünf Jahren zurückgekommen sind. Ein gutes Beispiel ist ein Kunde von uns, der eine eigene Kaffeerösterei eröffnet.  Er war 10 Jahre in Berlin und hat dort eine Agentur geleitet. Er hat zwei Kinder bekommen, seine Eltern wohnen noch hier in Westerhüsen und er geht deshalb zurück nach Magdeburg. Von uns wollte er das Design für seine Rösterei. Er hätte es auch selbst machen können, wollte aber den Bezug zu Magdeburg und hat gesehen, dass wir gute Sachen gestalten. Er kommt jetzt einfach zurück und baut hier sein eigenes Geschäft wieder auf, was ich super positiv finde. Das bereichert Magdeburg im Endeffekt.  Solche Leute wird es in nächster Zeit viel mehr geben.